andere Kreative

Tammo F. Bruns, Designer & Geschäftsführer

Tammo F. Bruns ist nicht nur Geschäftsführer von kleiner und bold, sondern vor allem passionierter Designer, der erkannt hat, dass sich nur im Team wirklich gut arbeiten lässt.

Ich bin Tammo. Ich bin Tammo Bruns. Ich bin Geschäftsführer und Gründer der Agentur kleiner und bold in Berlin. Ich bin studierter Designer bzw. damals hieß das visuelle Kommunikation noch. Das hab ich in Bremen studiert und bin hier auch noch in vielen Projekten der Kreativdirektor. In einigen Projekten bin ich’s auch nicht mehr, da hab ich aber noch eine Design-Lead-Rolle, aber eben nur eine Nebenbei-Rolle. Hauptrolle ist Geschäftsführer und Strategie. 

Erinnerst du dich an dein erstes Erlebnis mit Design?
Im Grunde hab ich immer gestaltet. Meine Mutter ist Künstlerin, insofern ist das naheliegend. Hab quasi in der Schule die Schülerzeitung layoutet, eine englische und auch eine deutsche. Hab für regionale Tageszeitungen schon so Karikaturen gemacht und mein erstes Geld damit verdient, hab im Zivildienst Plakate gemacht – wusste aber nicht, dass das Design ist. Es waren halt Plakate, Karikaturen, Broschüren. Also der Begriff, der tauchte für mich erst später auf – wie gesagt visuelle Kommunikation – und im Studium wurde mir klar, was das dann eigentlich am Ende wird. Ich hatte da keine Ahnung, was ich da eigentlich studiere. Ich dachte, hat irgendwas mit meinem Talent zu tun und ich bin faul, also nehme ich etwas, wo ich nicht viel arbeiten muss. Dachte ich! Hab mich sehr vertan damit. Aber deswegen hab ich’s eigentlich studiert.

Was wolltest du als Kind werden?
Ich hab meine Kindheit im Ausland verbracht, bin in Indien geboren, bin in Afrika aufgewachsen. Und als wir dann nach Deutschland gingen, war mir der Beruf egal, Hauptsache ich kann zurück. Ich wollte nie hier her. Deutsch war für mich auch Fremdsprache damals und so. Insofern war mein Wunsch, irgendwas zu machen, was mich befähigt wieder zurück nach, vor allem nach Sambia, Afrika zu gehen. Das war mein Wunsch oder Zielort. Also waren das eher Berufe wo ich wusste, die man da braucht. Also Wasserbauingenieur, wusste ich, wäre gut, das war mein Vater auch gewesen oder es wäre Arzt gut. Ich hab auch diese Arztprüfung später noch gemacht, weil ich unsicher war. Aber meine Berufe gingen eher so in die Richtung, dass ich wusste, ich will in Entwicklungshilfe nach Afrika gehen.

Was war dein erstes Design?
Also die erste Arbeit, wo ich richtig stolz drauf war, das war eine Plakatserie – das war im Studium noch vor’m Vordiplom – für eine Ausstellungsreihe, die auch nach Paris und nach Berlin ging, über das Passagenwerk von Walter Benjamin. Voraussetzung war, man musste dieses Passagenwerk ja mal gelesen haben. Das war die erste Hürde, die anfangs mühselig war, am Ende toll. Und das war eine Plakatserie, wo alle Plakate von Standort zu Standort, die Makulaturbögen, also die schon gedruckten Plakate, nochmal neu bedruckt worden sind. Immer mit Schwarz, Weiß und zwei Grautönen. Das heißt am dritten Standort waren’s dann zwölf Farben, aber alles nur schwarz-weiß. Also zwölf Schichten Farbe drauf.

Das war das erste mal wo ich auch versucht hab auch die Drucktechniken neu zu denken und so. Das war vielleicht 92, 93. Das weiß ich, das hat riesigen Spaß gemacht und die hab ich auch jetzt noch in der Schublade liegen, während ich alles andere fast weggeworfen habe. Aber die gibt’s immer noch. 

Dein bisher stärkster Moment im Job?
Ich glaub ein ganz wichtiger Moment waren die Jahre in der Solarbranche. Ich hab mich sehr früh dafür entschieden, also eher aus innerer Überzeugung, aus ner Haltung heraus, dass jetzt die Zeit dafür gekommen ist. Und natürlich sucht man sich, wenn man eine Agentur hat, die Kunden, die man gerne hätte, für die man mit gutem Gewissen arbeiten kann, die nachhaltig sind oder tolle Produkte haben. Also hatte ich mich sehr früh dafür entschieden, in die Solarbranche einzusteigen zu einem Zeitpunkt, wo die sich nicht lohnte, wo man da kein Geld verdienen konnte eigentlich. Sind dann aber mit der Solarbranche sehr schnell gewachsen. Und da war der größte Kunde für viele viele Jahre die Firma Q-Cells. Die hab ich quasi sehr umfangreich betreuen können. Das war ein großer Vertrauensvorschuss, auch vom damaligen Vorstand. Meine Designer-Rolle war da deshalb besonders toll, weil ich durfte alles gestalten. Alles mein ich im Sinne, wir haben das Employer-Branding und die HR-Kampagne für die Personalabteilung gemacht, weil die gewachsen sind, weil haben die klassische Produktkommunikationen, Literatur und Kataloge gemacht, bis zu den Gebrauchsanweisungen runter, wir haben die Markenarchitektur für alle Subfirmen gemacht, wir haben Investor Relations gemacht.

Wir durften diesen Laden wirklich mitprägen und gestalten über sechs, sieben Jahre. Ich weiß nicht mehr genau wie viele es sind. Das war glaube ich für mich eine sehr tolle Aufgabe, weil wir da so, sagen wir mal eine generalistische Rolle hatten. Bis zum Interieur Design, bis zum Messestand, alles komplett, das komplette Paket.

Dein bisher peinlichster Moment im Job?
Ja es gibt nicht das peinlichste, also das Momentum, die Situation des schlimmen Versprechers oder sowas. Es gibt viele Versprecher, aber im Grunde sind die nie schlimm, die sind eher lustig. Ich hatte mal ein schönes Moment, wo ich ein halbstündige Präsentation gehalten habe mit einer Tomate auf meinem Hemd. Ich hab ein Sandwich im Auto gegessen und da ist die Tomate heruntergefallen. Das ist ein Workshop gewesen, zwölf Leute, Führungskreis und ich immer zwischen Flipchart und Beamer hin und her. Und dann sagt mir die Kollegin irgendwann ich hätte da was. Und dann seh ich so runter, hab hier ne Tomate, hab aber schon ne halbe Stunde präsentiert. Dann frag ich natürlich den Kunden: “Sagen se mal, warum sagt denn keiner was! Ich hab hier seit ner halben Stunde eine Tomate.” Und dann meint der Kunde: “Er war sich nicht so sicher, bei den Kreativen. Er dachte vielleicht ist das ne Brosche.” Wo ich schon dachte, okay, nee ist ne Tomate.

Woher nimmst du deine Inspiration?
Eigentlich eher aus Worten. Das hat sich auch geändert. Also früher hab ich ja noch geguckt, was macht der Wettbewerb, viel in Ausstellungen gegangen, viel auch diese vielen Kataloge und Bücher und Übersichten gesehen, von tollen Arbeiten von Kollegen. Und davon gibt es ja jede Menge wunderbare, von denen man auch viel lernen kann, das soll man jetzt nicht falsch verstehen. Das schätze ich sehr wohl, aber ich nutze es nicht mehr. Also was ich jetzt für mich als viel wichtigere Quelle nutze, ist das Wort. Also quasi im Diskurs mit den Leuten ist eher der Begriff das, woraus ich dann etwas Neues bauen kann. Aus dem Team heraus. Das heißt sprechen, Team, mit dem Kunden, bestenfalls auch nicht nur mit Marketeers, also mit den Kollegen, mit Designern, also Leute wie mir und mich, Peergroup, sondern mit Leuten außerhalb. Also der Entwickler von dem Produkt, der Vertriebler vor Ort, der Forschung- und Entwicklungsabteilung oder Produktmanagement von Kunden. Also das sind eigentlich die, wo ich dann eine Idee bekomme und sage: Das könnte eigentlich die Story sein, die wir dann hier visualisieren und erzählen.

Ein paar Worte an zukünftige Designer:
Ich kann mit Leuten arbeiten – und so ist der ganze Laden auch – die sich für die Kontexte interessieren, die reingehen wollen in die Tiefe, die wissen wollen, wie etwas warum funktioniert und worauf das Unternehmen des Kunden, für den wir arbeiten eigentlich basiert. Weil wir eben keine Künstler sind, sondern Designer. Die Botschaften und Inhalte kommen eigentlich von Anderen, die das vielleicht nicht so gut können, deswegen brauchen sie uns, als Brückenbauer. Insofern ist ein Wort an die wirklich: es ist nicht schlimm, den Wirtschaftsteil zu lesen, interessiert euch für die Inhalte, für die ihr arbeitet auf der einen Seite und: Arbeitet im Team. Also das ist schwierig.

Während dem Studium lernen die Leute zwar, dass es eine Leitfigur gibt, nämlich den Professor der dann sagt: “Gut gelöst.” Oder er sagt: “ Nicht so gut.” Und verteilt dann vielleicht Zensuren. Dann ist er eher wohlwollender oder streng. Das spielt aber später keine Rolle, weil diese Figur gibt es nicht mehr. Es gibt nur noch das Team und das Team trifft die Entscheidung, aus den zwanzig Ideen die eine beste zu nehmen. Das ist ein Diskurs.

Man muss Kritik aushalten. Man muss mit den anderen darüber streiten können ohne dass es wehtut, dass mein Entwurf im Team nicht der ist, der weiterkommt, weil er vielleicht doof ist. Und ich glaube das wär so mein Appell an die jungen Leute. Das ich merk ich ja auch, wenn sie hier bei uns starten. Die müssen erstmal lernen auszuhalten. Den Diskurs über ihre eigene Arbeit auszuhalten.
 

Web: www.kleinerundbold.de/