Susi Sie, Filmemacherin

Susi Sie macht Filme. Und zwar aus allem was sie so findet.

Ich bin Susi Sie, ich bin Filmemacherin und ich experimentiere gerne mit analogen Materialien, um außergewöhnliche Formen in der Natur zu finden. Ich arbeite mit ganz verschiedenen Materialien, wie Farben, Tine, Tusche, Acrylfarbe, Pigmente – ganz verschiedene Arten von Partikeln, von kleinen Steinchen über Quarzsand, Ölen, zum Beispiel Ferrofluiden, auch chemischen Substanzen.

Also es sind sehr sehr unterschiedliche Anfragen die ich bekomme, auch aus sehr unterschiedlichen Regionen und Agenturen, aber auch direkt von Kunden, Privatleuten, Musikvideos für Künstler oder Werbung für Mobiltelefone. 

Meistens inspirieren mich sehr alltägliche Dinge, also so ganz banale Dinge, wie die Essensreste auf meinem Teller, z.B. Rote Beete Saft und Olivenöl geben sehr schöne Muster ab. Oder letztens saß ich in der Bahn und da war auf dem Boden so ein super interesstantes Matsch-Muster und das hat mich auch inspiriert. Es ist auf jeden Fall auch von Vorteil einen Hund zu haben, der einen dazu zwingt jeden Tag mindestens eine Stunde spazieren zu gehen, dass tut auch auf jeden Fall gut.

Was wolltest du als Kind werden?
Als Kind wollte ich unbedingt Zeichnerin bei Walt Disney werden. Also das war so der allergrößte Traum, den ich mir vorstellen konnte und als ich dann studiert habe, habe ich irgendwie gemerkt, dass ich gar nicht so gut bin im Zeichnen oder dass das auch nicht meine größte Leidenschaft ist und dann habe ich den Weg zur Videokunst gefunden. Und das war dann ein Medium wo ich gemerkt habe, dass ich mich ausdrücken kann.

Wann war dir klar dass du Filmemacher werden willst?

Ich habe eine sehr lange Zeit in einer Festanstellung gearbeitet und ich habe währenddessen etwas für mich gesucht, was unabhängig von Kundenwünschen und Deadlines ist…

…und dann habe ich Experimente gemacht mit verschiedenen Makrolinsen und hab erstmal Fotos gemacht, wollte aber unbedingt einen Film machen. Deswegen war ich auf der Suche nach Strukturen, die sich bewegen. Dann habe ich quasi in meiner Küche Öl und Wasser zusammen gemischt und einfach mal geschaut was da so passiert.

Und das war dann quasi mein erster Film. Und es hat sich immer weiterentwickelt. Dann habe ich angefangen über sich bewegende Flüssigkeiten nachzudenken, dann bin ich auf Ferrofluide gekommen und habe über sich bewegende Strukturen nachgedacht.

Dein schlimmstes Erlebnis im Job?
Also ich würde sagen der schlimmste Moment war als ich einen Unfall mit dem Magneten und meiner Festplatte hatte. Es war alles gelöscht außer einer Mail im Papierkorb, die konnte gerettet werden. Ansonsten war alles innerhalb von einer Sekunde weg. Seitdem bin ich super vorsichtig was Magentismus und Technik angeht und halte das hier total streng getrennt. Da hinten gibt es eine magnetische Kiste, ganz weit oben und hier sind meine technischen Geräte. So was darf mir nicht nochmal passieren, das war ein großer Schock und sitzt mir immer noch in den Knochen.

Gibt es beruflich etwas an dem du fast verzweifelt warst?
Ich vergesse eigentlich, dass es bei jedem Film so eine Kurve ist, erstmal sehr enthusiastisch anfange, etwas probiere und dann irgendwann merke: “Okay, vielleicht hier und da klappt es nicht” und dann beiße ich mich daran fest, also an privaten Jobs und an Kundenjobs, da das halt nicht alles direkt so funktioniert wie man sich das vorstellt und es gibt auf jeden Fall bei jedem Film irgendeine Stelle, wo ich schonmal fast verzweifelt wäre. 
Aber letztendlich gibt es dann auch wieder Wege die einen überraschen und womit ich nicht rechne, was ich auch nicht beeinflussen kann, was dann aus Zufall passiert und das ist dann auf jeden Fall schön, offen für solche Zufälle zu sein.

Woher nimmst du deine Inspiration?
Hans Jenni zum Beispiel – das war auch eher ein Wissenschaftler, der hat sein Leben lang Kimatik untersucht. Ich glaube, wir beide wären sehr gute Freunde, wenn er nicht schon tot wäre. Aber genauso interessant finde ich die Naturzeichnungen von Haeckel oder Humboldt, weil es da auch wieder um die Muster bei der Natur geht. Das ist dann zwar in dem Sinne kein Film, aber die Bilder inspirieren mich einfach die interessanten Formen in der Natur zu suchen.

Ein paar Worte an angehende Filmemacher:
Was mir auf jeden Fall geholfen hat, war einfach das zu machen, worauf ich Lust hab. Ich wusste damals überhaupt nicht was ich denn überhaupt mit diesen Filmen machen soll oder wozu das ist – und das sich das dann so entwickelt ist für mich etwas total schönes und deswegen kann ich das nur empfehlen…

…das was man wirklich machen will auch durchzuziehen und dabei auch Geduld zu haben.