andere Kreative

Stefan Sagmeister, Designer

Der österreichische Design-Superstar Stefan Sagmeister arbeitet seit Jahren in New York und hatte mit The Happy Film gerade sein Filmdebüt im Kino. Keenly Preesents hat ihn bei der Premiere in Berlin getroffen. 

Hallo, ich bin der Stefan Sagmeister. Ich bin ein Designer aus Österreich, der in New York lebt und arbeitet. Derzeit aber auf Sabbatical in Mexico City und jetzt gerade in Berlin. 
Wenn’s was gibt, das Ideen braucht, arbeite ich meistens zu Hause eine Zeit lang an dieser Idee. Ich kann praktisch nie länger als zwischen fünf, zehn, fünfzehn Minuten wirklich nachdenken, weil das einfach zu schwer ist. 
Ich bin hier für die Premiere, die jetzt grad stattfindet mit dem Happy Film, den wir jetzt sieben Jahre lang gedreht, geschnitten und fertiggestellt haben. Und ich bin unglaublich froh, dass er fertig ist und jetzt auch gezeigt werden kann. Ein Resultat, das aus dem Machen des Happy Films herausgekommen ist, ist dass meine Hochachtung vor guten Filmen noch um Vieles gestiegen ist.

Erinnerst du dich an dein erstes Erlebnis mit Design?
Ich glaub mein erstes wirklich intensives Erlebnis war mit Plattencovers. Das war dann aber später erst so mit zwölf und dreizehn. Das erste, das ich selber gekauft hab, war ein Cover von Slade, dann ganz stark das King Crimson Cover “In the Court of the Crimson King”, das war so ein stark Schreiender.

Was wolltest du als Kind werden?
Priester! Also ich war Ministrant. Bin in einer sehr katholischen Familie aufgewachsen, also vor allem von der Mutter her. Und war ziemlich – in Vorarlberg hat das geheißen ein Mamale – also der Jüngste, der sehr eng mit der Mutter verbandelt war. Also auch mit 12 noch – zur großen Heiterkeit meiner älteren Brüder – noch nach dem Essen bei der Mama auf dem Schoß sitzen wollte. Und dadurch, dass sie sehr katholisch war, ich glaub das war auch so ein bisschen, um ihr zu gefallen, hab ich sicher bis 8 oder 9 gesagt, ich möchte gern Priester werden.

Wann war dir klar dass du Designer werden willst?
Eigentlich auch relativ früh. Also vom schon erwähnten King Crimson Cover – hab ich dann andere Plattencovers gesehen und das fand ich faszinierend. Und hab dann auch schnell verstanden, dass das ein Beruf ist, dass man das machen kann. 

Und bin dann ein bisschen später, so mit 15, 16 in ein neues Gymnasium gewechselt, da gab’s ein paar Mitschüler, die bei einer Jugendzeitung mitgearbeitet haben. Das hat mich sehr interessiert. Die Jugendzeitung, Alphorn hieß die, die war auch so aktiv. Die hatten Jazz-Konzerte veranstaltet und irgendwelche Demonstrationen gemacht und ein bisschen Graffiti war auch dabei. Das brauchte immer Gestaltung, also Plakate oder Transparente oder so und das war dann halt ich, weil ich ja eh schon Teile und dann mit der Zeit den Großteil des Magazins gemacht hab. Vor allem die Nebenprodukte, also so die Plakate für irgendwas, auch die Plakate fürs Alphorn selber, waren dann ein bisschen freier und die waren dann auch ein bisschen besser.

Und ich hab mir dann damals eingebildet, das reicht dann schon vielleicht für die Aufnahmeprüfung für die Hochschule für angewandte Kunst, die ich dann mit 18 gemacht hab in Wien – dann auch prompt mit Bomben und Granaten durchgefallen bin. Bin dann ein Jahr lang auf eine ganz kleine Kunstschule gegangen, wo ich aber das Glück hatte, dass eine der Lehrerinnen dort war Assistent auf der Hochschule und die konnte mir Tipps geben, was ich denn trainieren müsste oder lernen müsste, um die Aufnahmeprüfung das nächste Jahr nochmal zu probieren. Und das hab ich dann auch gemacht und beim zweiten Mal hat’s geklappt.

Dein bisher stärkster Moment im Job?
Was mir jetzt gerade einfällt ist ein Moment, wo mich Keith Richards Limousine abgeholt hat und ich nach Los Angeles geflogen bin, um zum ersten Mal die Stones zu treffen, um das Cover zu besprechen. Und das war so fünf oder halb sechs am Nachmittag und der Abflug war von Newark Airport und ich bin in der Limousine gesessen und der Fahrer hatte schon die First Class Tickets und die Sonne ging so über dem Chemienebel von New Jersey unter. Das heißt ein komplett total roter Himmel. Und das war halt so ein Moment, so ein Moment von, und wenn ich den David Byrne zitieren darf: “How did I get here? This is not my beautiful house.”

Dein bisher peinlichster Moment im Job? 
Eines was unglaublich peinlich war, aber es liegt schon lange zurück, mit der Zeit verjährt sich ja doch die Peinlichkeit. Aber ich hab einmal bei einer Werbeagentur in Hongkong gearbeitet und da war die erste Company-Party so unglaublich betrunken, dass sie dann bei der zweiten Company-Party das Management gesagt hat: “Da müssen wir irgendwie ein Programm machen, dass nicht alle Leute sofort in den Swimmingpool fallen, betrunken.”

Und dann musste jede Abteilung mit irgendeiner Idee daherkommen. Und ich glaub Accounting, also das waren meistens Frauen, die hatten die Idee sie wählen den hottesten Mann der Agentur. Und da gab’s dann halt diese Wahl und aus irgendeinem Grund, ich hab keine Ahnung wieso, hab ich gemeint mein Name wurde aufgerufen. Und ich geh auf die Bühne zu, aber es war nicht ich. Und ich musste dann, und das haben alle mitgekriegt, und ich musste dann irgendwo mittendrin umdrehen und so tun, als ob ich das gar nicht so gemacht hätte.

Also auf jeden Fall es war ziemlich grauenhaft. Hat dann eh noch in einer ordentlichen Betrinkerei – also ich war dort nicht der Einzige – geendet.

Ein paar Worte an angehende Designer: 
Da würde ich sagen:

Hart arbeiten! Ich hab in meinem Leben noch niemanden getroffen, der gute Arbeit macht – Wurst ob das in der Musik ist, Wurst ob das ein Rockstar ist, Wurst ob’s im Design ist, in der Architektur, im Film – der gut war oder die gut war und faul war. Gibt’s nicht. 

Selbst der Lou Reed, der so den Ruf des Heroinsüchtigen hatte, war unglaublich fleißig und total besessen. Es gibt einfach zu viele gute Leute. Das kommt nicht von ungefähr. Wenn jemand in der Schule ist: So viel ausprobieren wie möglich. Sich überhaupt nicht um einen eigenen Stil kümmern. Das kommt später von selber und ist schwerer wieder loszuwerden, als es ist sich zu erarbeiten. Sondern ich glaub in der Schule geht’s darum, so viele Dinge wie möglich kennenzulernen und sobald man sie kennt, dann wieder weiterzuspringen, wenn das der Persönlichkeit entspricht.

Web: www.sagmeisterwalsh.com