Sonja Nikon Umstätter, Professorin für Bewegtbild

Sonja ist ein absolutes Allround-Talent. Solange sie nicht Klappe schlagen soll. Lernt sie jetzt kennen:

Mein Name ist Sonja Nikon Umstätter und ich bin Diplom Designerin, Filmemacherin, Professorin für Bewegtbild und Motion Design und Coach.Bei mir ist tatsächlich jeder Tag anders mit meinen vielen verschiedenen Berufen und Berufungen.

Wenn ich zur Hochschule gehe, bin ich da meistens den ganzen Tag und habe viel mit jungen Leuten und Studenten zu tun und arbeite entweder inhaltlich oder ich drehe mit denen. Ich arbeite sehr viel angewandt. Oder ich werde gebucht, um zum Beispiel ein Musikvideo zu drehen und mache dann Kamera oder Regie oder beides. Am liebsten mache ich alles zusammen!

Erinnerst du dich noch an dein erstes Erlebnis mit Design?
Mein erstes intensives Erlebnis ist in meiner Kindheit tatsächlich, ich habe in einem Haus gewohnt, wo das Atelier meines Vater war, der Werbefotograf war oder ist. Und eigentlich immer, wenn ich von der Schule nach Hause kam, hat es bei uns zuhause geblitzt, die Models saßen im Wohnzimmer und die Werbefuzzis haben irgendetwas gemacht – das war eigentlich mein intensivstes Erlebnis, das war prägend jeden Tag.

Was wolltest Du als Kind werden?
Ich wollte als Kind Farmerin werden. Und ich fühle mich tatsächlich auch so, als Farmerin. Also dieses kultivieren ist echt meins. Mit einem großen Hof und vielen Leuten, Kinder, Tieren, tausend Menschen, das finde ich super. Das ist meins.

Was war dein erster Film? 
Mein erster Film ist ein schwarz-weiß Film mit 28 Männern, denen wir Monate vorher gesagt haben, dass sie sich die Bärte wachsen lassen müssen und es sei ein U-Boot-Film. Aber eigentlich ist es gar kein U-Boot-FIlm, es ist eine Analogie zum Filmemachen und Entwickeln. Im Filmlabor ist es tatsächlich wie im U-Boot und wir haben es absichtlich ein wenig offen gelassen worum es geht. Es gibt lauter Zitate von das Boot zum Beispiel und so, aber es ist alles im Filmlabor und in Filmaufnahmestudios, in Kopierräumen, in Kinos und so.

Und die Männer machen nichts anderes als irgendwie miteinander zu sein und sich irgendwann anzuschreien. Also es gibt eigentlich keine Handlung, es gibt nur einen klassischen Spannungsbogen, aber wodurch der entsteht, weiß man nicht so genau.

 

Dein peinlichstes Erlebnis im Job?
Das Peinlichste, was mir im Filmgeschäft zumindest passiert ist: Da habe ich studiert und habe mein Geld viel mit Kameraassistenz verdient – auch für Spielfilme und Werbung und so 35mm, da wurde ich für ein internationales Projekt geholt, eingeflogen für eine Woche Ersatz, für einen Typen der irgendwie ausgefallen ist. Einer der Hauptdarsteller war Joaquin Phoenix. Und ich hatte vorher noch nie Klappe geschlagen – in den studentischen Produktionen habe ich als Kamerafrau einfach nie Klappe geschlagen und jetzt war ich eben Assistentin oder “ClapperLoader”, wie man sagt und musste Klappe schlagen und wusste weder wie das auf deutsch noch auf englisch geht.

Und ich komme rein, mein erster Tag in der Produktion, mit einer alteingesessenen Crew und Joaquin Phoenix hat eine Bettszene, liegt nackt im Bett und ich muss mit der Klappe, aber weiß nicht wie da rein gehen und Klappe schlagen. Und da haben sie mich ihm auch noch vorgestellt und das war total peinlich, der hat mich ganz peinlich angeflirtet vor allen und ich hab so gezittert, dass die Klappe so “drtdrtdrt” gemacht hat. Und der Tonman ganz sauer geschrien hat: “Sowas für das Geld!” irgendwie, es war furchtbar, alle haben gelacht, total schrecklich.

Woher nimmst du deine Inspiration?
Also abgesehen davon, dass ich eigentlich immer inspiriert bin, muss ich nur dafür sorgen, dass ich entspannt bin – dann bin ich immer automatisch inspiriert. Wenn ich was von außen brauche: Was immer funktioniert sind tatsächlich Kinder und Tiere, die inspirieren mich irgendwie immer. Natürlich auch Arbeiten von anderen Leuten. Mich inspiriert auch Wellenreiten.

Ich muss mich eigentlich immer nur in so einen bestimmten Zustand bringen und dann bin ich automatisch inspiriert

Ein paar Worte an angehende Animatoren:
Ich glaube, dass Erfolg – und es ist total egal wie es jeder für sich definiert, das muss jeder für sich definieren – erfolgreich ist man dann, wenn man tut was man will und was man gerne tut. Es hört sich banal an, aber es ist eine ganz ganz große Kunst, da dran zu bleiben, wirklich immer herauszufinden: Was mache ich wirklich gerne! Also seine Arbeiten leidenschaftlich macht.

Selbst wenn es Aufträge sind, gibt es immer irgendwas, was man für sich rausholen kann.