Philipp Kässbohrer, Filmemacher

Filmemacher Philipp Käßbohrer berichtet im Keenly Preesents Interview davon, wie man ein gelassener Troubleshooter im Job wird.

Ja ich bin Philipp Käßbohrer, 33 Jahre alt, lebe in Köln und arbeite in Köln und bin Medienschaffender oder so. Das schließt viele Sachen ein. Wir haben eine Produktionsfirma, die btf. Wir machen Fernsehen, Musikvideos, viel Visuelles, eigentlich relativ offen, Games, alles was es so gibt. Ich selber bin, quasi neben der Tätigkeit als Produzent jetzt inzwischen, hauptsächlich tätig als Autor, Regisseur, Konzepter, Creative Producer – so in diesem Bereich.

Als ich angefangen hab Filme zu machen oder mich damit auseinanderzusetzen, das war so mit 17 ungefähr, war das sehr von der Technik motiviert. Wir hatten irgendwie die Möglichkeiten Sachen auszuprobieren und zu drehen und Kameras zu benutzen. Deswegen hab ich tatsächlich relativ lange erstmal einfach Filme gemacht oder quasi diesen technischen Prozess des Filmemachens irgendwie gelernt und geübt und experimentiert, bevor ich dann angefangen hab mich so emotional und inhaltlich mit Filmen auseinanderzusetzen. Das kam dann erst später an der Kunsthochschule. Dass man sich irgendwie in der ersten Studienwoche auf einmal in ‘nem Raum mit lauter Mitstudenten auf’m Boden wiederfand und irgendwie ein Tier sein musste oder sowas. In einem Schauspiel-Selbsterfahrungs-Kurs. Ich war glaub ich ein Elefant. Und man dann irgendwie so festgestellt hat, was steckt eigentlich dahinter. Was wollen wir erzählen, wie bewegt es uns auch selber, was bewegt uns denn eigentlich selber, warum machen wir einen Film oder ein bestimmtes Werk. Und das ist dann immer wichtiger geworden.

Ja, wir sitzen in meiner Wohnung jetzt hier gerade. Die, was sich auch einfach so ergeben hat, direkt neben der Firma ist. Deswegen sind die Wege kurz und deswegen wird eigentlich ja auch irgendwie so ein bisschen immer gearbeitet.

Dein bisher stärkster Moment im Job?
Also ein glaub ich wichtiger Moment oder so ein Moment für auch mich, aber auch das Team, war glaub ich schon, als wir eben das erste Mal eine Fernsehsendung gemacht hatten. Das war die erste Folge Roche und Böhmermann und die dann ausgestrahlt wurde bei zdfkultur und wir uns alle so in Köln in so ‘nem Café zusammengesetzt haben, um diese Folge zu gucken. Und alles natürlich noch aus so ‘nem bisschen grün hinter den Ohren. Man macht das zum ersten Mal und man hat dann so ein Werk und das wird dann gezeigt. Aber man kannte von früher immer nur, dass das dann halt wahrgenommen wird, aber nicht großartig kommentiert.

Da war’s dann tatsächlich so, dass wir dann da alle zusammensaßen und alle hatten das Handy in der Hand, weil es hieß man würde da eventuell dazu twittern und so. Und man dann auf einmal feststellte: Da draußen sind tatsächlich Leute und die gucken sich das an und die schreiben darüber und denen gefallen Sachen und denen gefallen Sachen nicht. Und die diskutieren, ob bestimmte Elemente und Inhalte sinnvoll sind oder nicht und so. Und das war schon ein extrem starker Moment und ein sehr prägendes Erlebnis, dass man überhaupt mal mit Publikum in Verbindung gekommen ist. Davor war alles, was wir gemacht haben, irgendwie für uns. Und man hat irgendwie die Daumen gedrückt, dass man auf nem Festival läuft.

Dein schlimmstes Erlebnis im Job?
Also ich glaube das peinlichste Erlebnis jemals war tatsächlich, dass ich, das war so Mitte des Studiums, da haben wir einen Kurzfilm gedreht. Wir hatten davor aber einen Job gemacht und es gab mit der Abgabe Komplikationen und alles wurde mega anstrengend. Man musste extrem viel telefonieren und die Zeitplanung ging überhaupt nicht mehr auf und irgendjemand war mit irgendwas unglücklich und man musste troubleshooten. Ich hatte einfach überhaupt keine Zeit mich vorzubereiten auf diesen Kurzfilm. Und dann haben das komplette Casting und alles, Auswahl der Schauspieler und so, haben alles der Kameramann und der Regieassistent gemacht. Dann kam ich an das Set und ich wusste nichts.

Ich kannte keinen Schauspieler, ich kannte keine Namen, ich kannte die Gesichter nicht. Ich bin dann durch drei sehr lange Tage gegangen, getragen von dem Regieassistenten, der mir immer zugeflüstert hat: “Der heißt übrigens soundso.” Ein vorbereiteter Schimpanse ist besser, als ein Regisseur, der unvorbereitet ans Set geht. Das war absolut schrecklich und ein sehr ungutes Gefühl. Also wenn man keine Zeit dafür hat, sich irgendwie im Vorfeld damit auseinanderzusetzen und gute Ideen zu haben, dann bringt das auch nichts, wenn man vor Ort irgendwie laut sein kann und entertainy und den Leuten irgendwie gut zureden. Vorbereitung ist dann einfach mehr wert.

Gibt es beruflich etwas, an dem du fast verzweifelt wärst?
Ach ja, das ist natürlich, bei so nem Beruf der quasi im Prinzip eine Form von professionellem Troubleshooting ist, gibt es diese Momente eigentlich ständig. Irgendwo steht ein Projekt auf einmal auf der Kippe und es klappt irgendwie doch nicht und da steht ein ganzes Team, aber irgendwas funktioniert nicht.

Dann verzweifelt man fast. Ich glaube, diese Momente sind eigentlich ständig da. Was sich verändert hat über die Jahre ist, dass man eben gemerkt hat, dass diese Momente ständig da sind. Und dass das auch nicht so schlimm ist und dass man das auch immer irgendwie hinbekommen hat.

Deswegen wird man da entspannter. Also selbst, wenn das mal richtig große Brocken sind.

Ein paar Worte an angehende Designer: 
Ja, keine Ahnung. Also das einzige, was man ja so mitgeben kann, was man jetzt so irgendwie über die letzten Jahre gelernt hat, was sicherlich kein Geheimrezept ist, ist: einfach machen. Also das ist so das, was wir immer feststellen. Es ist immer sinnvoller etwas zu machen, als es nicht zu machen.

Web: www.btf.de