andere Kreative

Benjamin Simon & Dirk Schuster, FOREAL

Die beiden Designer Dirk Schuster und Benjamin Simon von FOREAL wissen, dass die schwierigsten Jobs die eigenen Arbeiten für’s Portfolio sind. Da findet man schließlich nie ein Ende.

Dirk: Mein Name ist Dirk.
Benjamin: Hi, ich bin der Benjamin.
Dirk: Und wir haben das Studio Foreal gegründet. Vor vier Jahren inzwischen und wir sitzen hier in Trier und der schönen Altstadt im Hintergrund. 
Benjamin: Also unser Kerngeschäft ist eigentlich die Gestaltung und Umsetzung von Key Visuals für die Werbebranche und darüber hinaus machen wir viele Editorial-Sachen. Das sind meistens Covergestaltung und gelegentlich auch Animationen – das können kleine Werbespots sein. Oder was immer mehr kommt, ist Content oder Loops für Social Media Kampagnen, sowas. 

Erinnerst du dich an dein erstes Erlebnis mit Illustration?
Dirk: Meine frühesten Erinnerungen, die mich so geprägt haben, glaube ich waren in erster Linie Comics und vom Design her auch Videospiele, wo ich schon irgendwie so ne Faszination entwickeln konnte, mir auch irgendwie vorstellen konnte in der Richtung auch irgendwann mal zu arbeiten. Ich hab auch früher die ganzen Werner Comics versucht nachzumalen oder nachzuzeichnen. Ich glaub das waren die ersten Berührungspunkte in der Kindheit.

Benjamin: Ja, bei mir war es, glaub ich, ein bisschen spät. Also klar, man hat schon in der Grundschule viel gezeichnet, viel gescribbled. Aber so intensiv bewusst damit auseinandergesetzt war ich so mit 16,17, wo dieser ganze Hype mit diesen kleinen Design Contests losging. Insbesondere was diese T-Shirt Design Contests waren, wo man halt Illustrationen einreichen konnte. Wenn man dann gewählt wird, damit das eigene T-Shirt dann produziert wird. Das waren eigentlich bei mir die ersten Gehversuche, bewusst Bilder beziehungsweise Geschichten auch in Bildern zu erzählen. 

Dirk: Ich hab von mir so ein kleines Ding rausgesucht, extra für die Frage. Das heißt die Schülerzeitung meiner Schule von 99. Und ich glaube das war so die erste Publikation, also erste Ding, wo tatsächlich was von mir veröffentlicht wurde. Ich find jetzt… ich guck mal hier… hier. Und zwar, ist eigentlich schon äußerst peinlich, aber son Flowerpower. Also man hat auch schon viele Elemente, die man heute in unseren Arbeiten wiedererkennt. Also ein klarer grafischer Aufbau in der Komposition, oben hier die Typo mit schönen Lichtreflexen. Ich glaube man konnte schon ganz cool sehen, wo es dann eigentlich hin geht.

Was war dein erstes Design?
Dirk: Meine erste Arbeit war so ein kleines 1x3 cm große Anzeige, die nur auf so einem kleinen schwarzen Rahmen stand mit einer Typo, wo drin stand 2 ZKB 45 Quadratmeter soundsoviel warm, also eine nicht sonderlich kreative Arbeit. Aber der Moment, als ich dieses Printprodukt in den Händen hielt und diese kleine Anzeige… was wahrscheinlich eh niemand gesehen hat, was ich da gestaltet habe. Da war ich schon äußerst stolz. Und wenn ich das dann vergleiche zu heute, wo mir dann zum Beispiel einer gesagt hat: “Hey haste gesehen, deine Kampagne ist zum Beispiel in der Londoner U-Bahn… überall”. Also ich hatte nie wieder so den gleichen Effekt, wie ich damals hatte, als ich diese kleine Anzeige gestaltet habe.  

Dein bisher schönster Moment im Job?
Benjamin: Ich kann mich dran erinnern, als wir den ersten Job von Nike bekommen haben. Wir sind auf dem Titel gestanden und haben uns echt mega gefreut. Genauso schnell wie die Euphorie aufgekommen ist, genauso schnell wurden wir wieder auf den Boden der Tatsachen zurück gebracht. Das hat damit angefangen, dass wir Unmengen an Formularen ausfüllen mussten und letztendlich wurde uns so ein Riesenkatalog an Vorschriften vorgelegt und die letztendliche Arbeit war eigentlich nur so ne Production Arbeit, wo man echt einfach nur stupide abarbeitet. Und dann ist es so weit gegangen, dass das Projekt dann auch noch eingestampft wurde und gar nicht genutzt wurde. 

Dirk: Nur der heilige Gral, dass man für Nike arbeiten darf und man so einen Milestone irgendwann doch mal schaffen sollte. Zu dem Thema die schlimmsten Momente im Job: Die sollte man nicht an irgendwelchen Kunden ausmachen oder an irgendwelchen konkreten Projekten, sondern da ist im Berufsleben viel mehr drumherum, was so passieren kann. Zwischenmenschliches oder einfach nur die Tatsache jeden Morgen zu der Arbeit zu gehen, auf die man sich freut. Alles Sachen, die wichtiger sind als einen großen Namen. 

Gibt es beruflich etwas, an dem du verzweifelt fast wärst?
Dirk: Wo wir oft kurz vorm verzweifeln sind, ist eigentlich, wenn wir… das ist übrigens ein großer Teil unserer Arbeit… nicht nur kommerzielle Arbeiten, sondern freie Projekte, die wir intern gestalten, um neue Sachen für unser Portfolio zu generieren. Und dort ist es so, dass wir am Ende der freien Projekte oft vor dem Verzweifeln sind, weil es immer so schwierig ist, freie Arbeit final abzuschließen, weil diese letzten zwanzig Prozent von dem Job sind ja generell immer sehr schwer und wenn man dann selber in der Position ist da seine eigenen Erwartungen zu erfüllen und zum anderen dann doch gerne fertig werden möchte. Das ist dann immer so ein innerer Kampf, der dann tobt und ich glaub das kann … das hat bei uns immer schon die größte Frustration ausgelöst. 
Benjamin: Ja, bei selbst initiierten Projekten hat man es, dass man es immer noch besser machen möchte. Und es fällt dann sehr schwer da einen Abschluss zu finden. Man muss sagen: Okay, es reicht. Es kann immer besser werden, aber jetzt ist Ende.

Ein paar Worte an zukünftige Illustratoren:
Benjamin: Na also wir machen immer wieder die Erfahrung, dass Leute, Studenten oder Absolventen ja doch sehr selbstkritisch sind und oft Hemmungen haben, ihre Arbeiten nach außen zu tragen und dadurch geht ein enormes Potential verloren. Und es war, wie wir gerade gesagt haben, es war noch nie so einfach Leute zu erreichen, seine eigene Arbeit einer großen Masse zu präsentieren und viele Leute nutzen das immer noch nicht.

Dirk: Wir haben auch das Gefühl, dass die jetzige Generation an heranwachsenden Designern kleineres Selbstvertrauen haben. In ihre Arbeit, in sich selbst. Weil sie ständig einfach diesem großen Bild gegenüberstehen, was denn alles möglich ist und wer Erfolg hat. Also sobald man heute in Instagram einen gewissen Hashtag eingibt und schaut, wieviel Leute dort aktiv sind und wie gut die alle sind, das kann natürlich äußerst frustrierend sein. Gerade für einen  heranwachsenden Designer, der noch lange nicht auf dem gleichen Level ist, auf dem er sich sieht, oder wo er gerne mal hin möchte.

Benjamin: Von daher ist von unserer Seite aus der Appell, dass man Mut hat seine Arbeiten nach Außen zu tragen.
 

Web: www.weareforeal.com