andere Kreative

Prof. Fons Hickmann, Gestalter & Autor

Fons Hickmann ist Grafikdesigner, Autor und Professor für Kommunikationsdesign an der Universität der Künste in Berlin. Bei Keenly Preesents spricht er über sich und seine Karriere als Designer.

Mein Name ist Fons Hickmann und ich bin Grafikdesigner. Gelegentlich auch Autor, also ich bringe Bücher raus über Kommunikationsdesign oder alles was mit Design zu tun hat oder darum schwebt, mit Ästhetik. Gerne auch mit nem Haufen Theorie und Popkultur. Dazu möchte ich mein Fußballbuch erwähnen, dass ich mit zwei Kollegen zusammen gemacht hab. Mit dem Markus Büsges und dem Oliver Gehrs vom Dummy Verlag, wir haben ein Buch herausgegeben über und mit Storys über 100 Jahre Fußballgeschichte. Das ist sozusagen neben dem Spielfeld, neben meiner Arbeit als Grafikdesigner, mit der ich hauptsächlich mein Geld verdiene. Mein Studio in Berlin heißt Fons Hickmann m23. Dann habe ich noch einen Beruf, ich bin auch Professor an der Universität der Künste in Berlin und unterrichte dort Kommunikationsdesign.

Wann war dir klar, dass du Designer werden willst?
Ja, mit dem Fußball hat es nicht so geklappt und mit Naturwissenschaften auch nicht so. Was ich immer gut konnte neben dem Sport war mich visuell auszudrücken, auf Papier oder auch in Fotografie und dann dachte ich halt ich würde gerne Fotograf werden. Da gabs dann die Möglichkeit nach der 10. Klasse auch noch ohne Abitur so eine Art Fachabitur zu machen, so in die Gestaltungsrichtung zu gehen – weil ich Fotograf werden wollte, passte das ganz gut. Dann habe ich mich in Düsseldorf beworben für den Fachbereich Fotografie und wollte dort und hab dort Fotografie studiert, hab aber dann gemerkt Fotografie ist doch nicht so das Ding, eigentlich Grafikdesigner. 

Zwischendurch wollte ich natürlich noch andere Sachen machen, aber das ist alles eigentlich eine echt lange Story. Mein Werdegang bis zum Grafikdesigner ist echt ne lange Story, weil ich dann auch wieder dachte: “Nee, biste auch nicht. Du bist eigentlich Künstler”. Aber ich denke, das denken die meisten Grafikdesigner mal zwischendurch, dass sie Künstler sind – oder dass das was wäre. Dann hab ich gemerkt, das passt aber auch gar nicht zu mir, weil es mir nicht konkret genug ist. Da bildet sich halt heraus, dass es irgendwie am Ende immer klarer wurde… wie so eine Kugel, die sich darausbildet, wo ich dachte: Das ist eigentlich das Ding, wo ich wirklich für brenne. Das liebe ich.

Letztendlich konnte ich das mit dem Begriff Grafikdesign umreißen, obwohl das für mich nicht bedeutet, dass ich da andere Disziplinen ausschließen möchte.

Was war dein erstes Design?
Mein erstes Design war ein Mixtape von meiner Freundin, beziehungsweise von meinem Schwarm, den ich damals damit gewinnen wollte. Ich weiß gar nicht mehr, ob das geklappt hat. Ich glaub, das Mixtape hab ich auch nicht mehr. 

Dein bisher peinlichster Moment im Job?
Mir fällt da jetzt schon eigentlich eins ein, dass wirklich auch für mich sehr… mich sehr mitgenommen hat. Und zwar war das eine Veranstaltung im Museum of Graphic Design in Breda in Holland. Dort war ich eingeladen mich an der Eröffnungsausstellung zu beteiligen, mit einer Installation. Die Ausstellung wurde von der niederländischen Königin eröffnet, Beatrix. Ich war halt bei meiner Arbeit und habe meine Installation gebaut, also auch schon wieder so ein Grenzbereich. Es war ein Beichtstuhl, man konnte dort seine Sünden beichten und wir haben aus den Sünden dann Plakate gedruckt.

Und die Königin kam dann halt zu Besuch und ich musste ihr das erklären, was wir da machen. Das war auch wunderbar, sie hat das auch sofort verstanden und sie hat mir auch gesagt: “Ja, ich bin ja auch Künstlerin”, was ich gar nicht wusste, dabei ist die auch eine ganz tolle Künstlerin. Ich musste mich dann natürlich, weil wir ein bisschen eingeführt wurden – ich hab wenig Kontakt zu Royals, was man da so macht, sich verbeugen und so ... – ihr glaubt es kaum, das Blödeste, was einem passieren kann ist mir passiert: 

Bei der Verbeugung ist mir die Hose geplatzt. Ich hatte eine sehr enge, sehr schicke Hose an und die passte leider nicht so richtig. Bei der Verbeugung hab ich dann.. Da hat es so “Pfffff” gemacht und dann war die hinten auf. Und da waren Kamera-Teams und alles und die liefen um einen herum und alles und ich stand da vor ihr mit meiner… aufgeplatzten Hose hinten und ich war… es war so schrecklich. Ich hab so geschwitzt, ich hatte so einen roten Kopf, es war mir so peinlich. Ich hoffe, es hat niemand gemerkt, aber ich hab es gemerkt. Ich war wie angewurzelt und alle haben sich darauf bezogen, dass ich so einen Respekt hatte vor der Königin, aber ich hatte gerade ein ganz anderes Problem.

Welche Entwicklung in deinem Bereich interessiert dich besonders?
Was ich interessant finde in meinem Bereich, sind die Grenzbereiche. Also wo weitet sich Design und Kommunikation aus in andere Bereiche. Jetzt mit der Plakatausstellung in China, die wir gerade machen, ist es der Bereich zur Kunst. Oder die Behauptung, dass das Medium Plakat eine eigene selbstständige Kunstform darstellt. Ist ja ne Behauptung, die nicht bewiesen ist. Da werden mir die Kunsttheoretiker im Moment noch widersprechen, vielleicht in ein paar Jahren nicht mehr so.

Ein paar Worte an zukünftige Designer:
Ich hab da so ein paar… na gut, auch auf solche Fragen, da die nun auch nicht so selten sind, habe ich natürlich auch so ein paar Floskeln. Zum Beispiel eine Floskel ist: “Finde deinen eigenen Weg zur Gestaltung”, die sage ich immer ganz gerne, wenn ich in Asien bin. Weil da immer das Thema ist zwischen Kopieren und Individualität. Mein großes Thema. Aber das hat natürlich neben der Floskelhaftigkeit hat das natürlich auch einen Kern, wo es darum geht, dass man oder ich schon finde, dass man von Lehrern lernen sollte.

Dass es auch wichtig ist, dass man Lehrer hat und die auch respektiert, aber das man auch dann versuchen muss oder das auch machen muss einen eigenen Stil zu entwickeln, einen eigenen Weg zu gehen, der unabhängig ist von allem. Dass man sich da losnabeln muss, wie man sich von seinen Eltern losnabelt, muss man sich auch irgendwann von seinen Lehrern losnabeln und muss herausfinden: Was ist das Besondere, dass nur ich kann?

Das muss ja auch nicht…es geht ja auch nicht um Ästhetik im Sinne von schön oder gelungen, es kann ja auch Ästhetik des Scheiterns sein oder des Abgründigen.

Das ist halt individuell, so unterschiedlich wie wir alle sind. Wenn man schafft, sich dem zu stellen, was auch häufig nicht immer angenehm ist, was auch was mit Ängsten zu tun hat, sich dem zu stellen, wenn man es schafft sich da was heraus zu finden und das auch visualisiert, dann kommt da mit Sicherheit was interessantes und Besonderes raus.

Web: www.fonshickmann.com