Conrad Ostwald, Animator & Compositor

Erinnerst du dich an dein erstes Erlebnis mit Animation?
Das war 2001 in Leipzig, da gab es eine Apple-Adobe-Tradeshow und dort hat eine Motion Firma aus Köln ein Projekt vorgestellt – und da war ich total verrückt danach. Das war unglaublich faszinierend, die haben mit After Effects Sachen gebaut wie Lightstreaks, die um Autos herum gingen, das war total abgefahren. Und seitdem wollte ich unbedingt in diese Branche reinkommen.

Was wolltest du als Kind werden?
Ich wollte eigentlich Medizin studieren, was von meinen Eltern herrührt, und wollte deswegen in ihre Fußstapfen treten. Als ich dann den Zivildienst bei meinem Vater im OP abgeleistet habe, hab ich gesehen, dass das unglaublich anstrengende Arbeit ist mit viel Verantwortung. Ich hatte gar keine Lust auf dieses Studium und hab dann überlegt – doch ich war auch etwas ziellos ehrlich gesagt.  Da ich mich lange in der Schulzeit auf dieses Medizinstudium mental vorbereitet habe, ich hatte auch Chemie LK belegt und dann gemerkt, das geht alles in die falsche Richtung, das ist nicht Meins. Und dann kam der Gedanke, dass ich seit Kindesbeinen an jeden Tag am Fernseher hänge und es absolut liebe, bewegte Sachen zu sehen. Und dann habe ich beschlossen: Hey, das wäre doch genau die richtige Richtung!

Dein bisher stärkster Moment im Job?
Einer der schönsten Momente war, wo wir in New York für Dunkin Donuts am Time Square verschiedene Screens gebaut haben. Ganz simple Animationen. Und wir hatten diese Projektionssflächen gemietet für einen Tag und die Animationen wurden hoch und runter gespielt. Morgens haben wir Kameras aufgebaut und das gefilmt. Und das war absolut irre am Time Square zu stehen und seine eigenen Sachen zu sehen, das war ein irrer Moment und hat mir unglaublich Spass gemacht.

Woher nimmst du deine Inspiration ?
Ich brauche unbedingt Ruhe und Zeit, um mich mit der Sache wirklich intensiv auseinanderzusetzen. Ich gehe gerne lange spazieren oder Radfahren, irgendetwas abseits des Computers. Wenn ich vor dem Bildschirm sitze, dann werde ich die ganze Zeit abgelenkt, gucke mir Bilder an, versuche mich damit zu inspirieren, aber die beste Inspiration kommt eigentlich, wenn ich nicht vor dem Rechner sitze und in der Natur draußen bin und einen klaren Kopf habe. Einfach stundenlang in eine Richtung laufen und konstant über eine Aufgabe nachdenken.

Welche Entwicklung in deinem Bereich fasziniert dich besonders?
Die riesige Anzahl an verschiedenen Techniken, die man benutzen kann, fasziniert mich nach wie vor. Nicht nur, dass man Keyframes hin und her schiebt, sondern das man auch Zettel und Stift nehmen kann oder Sachen legt oder einfach mal die Kamera in die Hand nimmt und damit seine Projekte verwirklichen kann und das alles ineinander einfließen lassen kann.

Ich glaube dieses Spektrum wird immer größer und es wird immer mehr akzeptiert, wenn man mixed-media Geschichten verwendet. Es ist natürlich nicht einfach, da immer auf Trab zu bleiben, aber das Wissen was heutzutage weltweit verteilt wird über Tutorials, Bücher, Leute die ihr Wissen teilen wollen, hilft einem unheimlich dabei und es sind auch sehr inspirierende Sachen, man sieht Techniken, an die man früher nie gedacht hätte und plötzlich denkst du dir: Oh, das ist ja ein interessanter Weg mit Sandanimationen zu arbeiten.

Was mir riesigen Spaß macht ist, dass man nie aufhört und dass du dich jeden Tag weiter fortbilden kannst. Du kannst jeden Tag eigentlich eine neue Technik lernen – die zu perfektionieren dauert, unsere Branche vergibt sehr viel, weil man immer noch den Rechner zur Hilfe holen kann. Wenn man irgendetwas mit der Hand macht, kann man es am Rechner noch polieren und verfeinern. Aber im Großen und Ganzen sehe ich so die nächsten 40 Jahre meines Lebens, da gibt es noch viel zu lernen! Und ich hab Lust darauf, das ist das Schöne!