andere Kreative

Christian Büning, Informationsgestalter

Christian Büning hat die BDG-Gründerfibel geschrieben, um Designern praktische Tipps zum Berufseinstieg zu geben, damit Kalkulationen und Projektmanagement nicht die großen Angstthemen bleiben.

Ich bin Christian Büning, selbstständiger Verleger und Designer aus Münster und habe seit 2005 ein Büro für Informationsgestaltung. Das ist, wenn man so will, die nüchterne Seite des Designs, es geht nicht um Werbung, sondern um darstellen und vereinfachen und visualisieren. 

Eigene Arbeiten veröffentliche ich im Werkstoff Verlag, z.B. so etwas wie das Periodensystem, was ich in lesbar neu gestaltet habe – die Inhalte natürlich nicht – sondern nur die Form. Ja, das ist mein Arbeitsalltag.

Erinnerst du dich an dein erstes Erlebnis mit Design?
Was mich immer sehr interessiert hat sind Querschnittszeichnungen. Das fande ich immer super. Es gibt so Bücher, wo dann ein Hochhaus quer durchgeschnitten ist und man kann in jeden Raum reingucken, das man da sieht welche Sachen so zusammen gehören. Was in einem Zimmer eine Wand ist, ist in dem anderen Zimmer eine ganz andere Wand
Das gibt es auch mit einem riesigen Schiff, was durchgeschnitten ist. Solche Zeichnungen habe ich geliebt, die liebe ich immernoch und das war für mich immer so, das kann nur die visuelle Darstellung machen, wenn man versucht das mit Worten zu beschreiben, kriegt man das nicht hin. Das war für mich immer sehr verlockend, das auch zu können und dann bin ich da irgendwann losgelaufen.

Was wolltest du als Kind werden?
Witzigerweise kann ich da überhaupt nichts sagen, da hatte ich keinen konkreten Plan ich wusste nur, dass ich irgendwas machen wollte, was Spaß macht.

Den konkreten Berufswunsch wie Astronaut oder Förster hab ich nie gehabt. Im Gegenteil, ich war mal in der Beratung vom Arbeitsamt, da gab es so Erklärfilme, wie der Beruf eines Designers aussieht. In diesem Erklärvideo ging es darum, dass man ein Logo gestaltet und die hatten dafür so ein V was so einen Swoosh kriegen sollte und die haben dann mit zehn Leuten um den Musterkatalog drumgestanden, wo dann 3000 verschiedene Swooshes drin waren und dann hat da jemand das mit dem Fineliner ausgemalt und ich hab den Film gesehen und mir gedacht: “Das willst du nicht machen, das ist langweilig diese Form auszumalen”.

Im Studium habe ich dann gelernt, dass da viel mehr dazugehört. Und dass das Ganze davor, bevor man den Swoosh überhaupt aussucht, das Interessante ist.

Wann war dir klar, dass du Designer werden willst?
Ich hatte mich dann für das Designstudium beworben, bin auch zweimal nicht angenommen worden, sondern erst beim dritten Mal. Und in der Zwischenzeit habe ich bei so einem Theaterprojekt mitgemacht. Das war so ein freies Theaterprojekt ohne Budget und jeder macht alles. Wir haben drei Nächte lang kopfüber ne Decke schwarz gestrichen und so was. Da habe ich dann irgendwann angefangen, die Plakate zu gestalten, Eintrittskarten zu machen und da habe ich gesehen, dass macht Spass. Das habe ich jetzt entworfen und das hängt überall auf der Straße, das haben die Leute in der Hand. Das war für mich sehr direkt, da konnte ich sehen, da kann ich was machen, das hat sich sehr gut angefühlt.

Dein bisher stärkster Moment im Job?
Da habe ich eine Empfehlung oder Beratung gegeben, wo es darum ging in einem großen Grenzgebiet hier zwischen Deutschland und Holland Krankenhaus-Chefs zu überzeugen, die nicht dafür bekannt sind, dass man sie leicht überzeugen kann. Ich hatte empfohlen, dass man bei diesem Projekt öffentlich Siegel verteilt, die Siegel mussten natürlich gestaltet werden, das war dann mein Auftrag. Und das wurde hier in Münster im Schloss bei einer feierlichen Gala verliehen. Das war die Initialzündung, dass sich die Holschuld umgekehrt hat. Dann war das so das die Leute versucht haben, die Krankenhaus-Chefs zu überzeugen und dann nach dieser Veranstaltung mit diesen Siegeln, war das dann so, dass die Krankenhaus-Chefs dann gekommen sind und gefragt haben: “Was müssen wir damit tun, damit wir die kriegen?” und da habe ich dahinter gestanden als Designer und dachte: “Genau so sollte es laufen!”.

Dein bisher schlimmster Moment im Job?
Hängt auch mit den Siegeln zusammen und zwar waren die Siegel natürlich mit heißer Nadel gestrickt für die ersten 300 Häuser. Der Hersteller hat Blut und Wasser geschwitzt und um 12 Uhr war die Verleihung und um halb 12 hielt der LKW und hatte die Siegel abgeladen. Die waren auf Acrylglas und das war ein wenig Gewicht, was da abgeladen wurde. Und das ging 150x hin und her bis die richtige Version von den Siegeln da war. 
Und dann wurde das erste Siegel verliehen und da raunt irgendjemand aus der ersten Reihe “Schreibt man Transparenz nicht mit S?” Das hat keiner gemerkt, das haben zehn Leute Korrektur gelesen und da stand dann Transparenz mit Z, also zwei Z – das war natürlich hochnot peinlich. Irgendjemand hat versucht das zu retten indem er meinte “Ja, das ist holländisch”. Und ich krieg dann in der Nacht nochmal die Info: “Wir brauchen nochmal neue Siegel” und das war wirklich sehr sehr peinlich, da hatte ich drei Tage lang einen roten Kopf.

Woher nimmst du deine Inspiration?
Meistens aus den Projekten selber. Das Schlimmste ist immer anzufangen, je mehr ich dann da reingehe, dann ordne ich erstmal und in diesem Ordnen gibt es dann meistens diesen Moment wo es klickt macht: “Ach, guck mal das kann man ja zusammenstellen oder ach, guck mal da könnte man ein Bild draus machen oder eine Metapher” und das ist meistens schon im Projekt drin, ich muss es nur suchen.

Ein paar Worte an zukünftige Designer?
Das ist die Gründerfibel. Das ist die zweite Auflage, die habe ich geschrieben als Notwehr, ich habe Vorträge gehalten wie man Design kalkuliert und wie man sich selbstständig macht und routinemäßig standen danach zehn Leute da und wollten das PDF haben. Aber das PDF gebe ich nicht raus, da steckt sehr viel Arbeit drin. Aber ich habe irgendwann alles mal aufgeschrieben, also quasi mir selber den Vortrag gehalten und mal alles mitgetippt und dabei ist das hier herausgekommen. Und was mich immer freut, ist wenn Leute mir Feedback geben, dass sie da nicht nur einmal durchblättern, sondern es wirklich als Werkzeug benutzen. Da sind halt Musterbriefe drin, wie ein Angebot auszusehen hat, Musterkalkulationen für einen eigenen Stundensatz. Das ist das Buch, welches ich gerne für meine Gründung gehabt hätte, aber jetzt ist es zu spät.